rund um die Historie des 'Schnatermann'

Chronik des Schnatermanns
 
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Es gibt heute im Gebiet der Rostocker Heide wohl kaum noch ein Haus mit einer älteren und wechselvolleren Geschichte, als die ehemalige Revierförsterei am Schnatermann. So ist die Geschichte des Schnatermann-Hauses eng mit den unterschiedlichen Nutzungsformen seines Umfeldes verbunden.

1252 kaufte die Hansestadt Rostock vom Fürsten Borwin die heutige Rostocker Heide. Zur Kontrolle der abgefahrenen Holzmenge versah man alle Zufahrten mit Schlagbäumen. Natürlich machte das nur Sinn, wenn diese von dem "Boomwärter" bewacht wurden, welcher im "Boomhus" lebte. Die Waldkannte hier am Schnatermann war die Grenze zu den Ländereien des Fürsten Borwin. Der Name "schnat", aus dem Slawischen = Grenze, ließ den Boomwärter zum Schnatermann werden.

Im Jahre 1760 erhielten zwei Rostocker Kaufleute das Recht, im Gebiet der Markgrafenheider Moorwiesen Torf zu stechen. Sie ließen bis 1770 den Moorgraben ausheben, der am Schnatermann in den Breitling mündet, um den getrockneten Torf mittels flacher Torfprähme abzutransportieren.
Hier am Schnatermann wurde der Torf in größere Schuten umgeladen und nach Rostock verschifft. Das notwendige Personal wohnte in diesem Haus am Schnatermann im sogenannten Torfsteckerkaten. Der Torf, der damals in erster Linie als Heizmaterial verwandt wurde, verbrannte unter einer erheblichen Geruchsbelästigung. Dazu kamen die enormen Kosten der Instandsetzung des immer wieder versandenden Graben- und Kanalsystems. So war es nur eine Frage der Zeit, dass weder das Bemühen o.g. Kaufleute, noch der ca. 20 Jahre spätere Versuch der Stadt Rostock, den Markgrafenheider Torf gewinnbringend zu vermarkten, scheiterten.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts nutzte man das tief in die Heide reichende Grabensystem zum Abtransport des geschlagenen Holzes. Es wurde zu Flößen zusammengebunden und mit Pferdegespannen bis zum Schnatermann getreidelt. Auf der Wiese vor dem Haus entstand ein Holzstapelplatz. Hier fanden die Verkaufsauktionen statt. In diesem Zusammenhang musste der vorhandene Katen erweitert werden. Es wurden Wohnungen für die Gespannführer und für Beamte der Stadt, die für den Holzverkauf verantwortlich waren, benötigt.

1887 wurde das Haus zur Revierförsterei umgebaut, das Obergeschoss aufgesetzt und der Dachstuhl in seiner heutigen Form gerichtet. Zur Aufbesserung des privaten Budgets erhielt der Förster die sogenannte "Kruggerechtigkeit". So ist seit dieser Zeit der Ausflug zum Schnatermann für viele Rostocker zu einer festen Tradition geworden.
Der historische Weg führte entlang der Warnow - über das heutige Gelände des Überseehafens - und kreuzte den Peezer Moorgraben. Schon in einer Wanderkarte aus dem Jahre 1901 ist eine Fahrgastschifffahrtslinie von Warnemünde über den Schnatermann bis nach Markgrafenheide eingezeichnet.

der historische Biergarten am 'Schnatermann' In dieser Zeit ließ Theodor Fontane seine Effi Briest eine "...Boots- und Vergnügungsfahrt, nach einem am Breitling gelegenen großen Buchen- und Eichenwalde, der 'Der Schnatermann' hieß...", machen.

Die Wirtschaft hier am Schnatermann wandelte sich weiter. So wurde aus der Revierförsterei ein Forstfuhrmannshof. Man munkelt, dass dem Oberförster die Nähe seines Revierförsters zur eigenen Gastwirtschaft auf Dauer mißfiel.
1925 hatte der Schnatermann 9 Einwohner, welche ihren Lebensunterhalt neben dem Fuhrmannsgeschäft und der Gastwirtschaft auch mit einem ca. 15 ha großen Hof verdienten. Es war damals sicher ein munteres Treiben, als Kühe, Pferde, Hunde, und so manches Federvieh den Hof besiedelten. So manche Sau suchte ihren "Bräutigam" unter den artverwandten Naturburschen im Wald.
In diese Zeit fällt auch die Ankunft der ersten Jugendgruppen, welche auf dem Dachboden des Hauses übernachteten. Die bauliche Situation zu dieser Zeit finden Sie in dem Wandgemälde des Lichthofes unseres Hauses festgehalten.

1956 endet dieses Kapitel mit dem Fortgang der letzten Hofpächter. Fortan betrieb die Konsum-Genossenschaft das Gasthaus weiter. Einer der ständig wechselnden Wirte dieser Zeit, Herr Walter, stellte uns umfangreiches Bildmaterial für unser Ahnenzimmer zur Verfügung.

Die Jahre 1973-74 sollten für den Schnatermann ein wesentlicher Meilenstein werden. Unter Federführung des Staatlichen Forstbetriebes Rövershagen erhielt der Schnatermann im Wesentlichen sein heutiges Gesicht. Der Neubau des SB-Traktes und der Rhododendrongarten wurden angelegt. Es entstanden das Wildgehege, ein Indianerdorf, die Sport- und Liegewiese, auch mit dem Ausbau des Sportboothafens wurde begonnen.
Mit einer guten Küche und der wirklich gelungenen Außenanlage erweckte der Schnatermann in dieser Zeit viel Aufmerksamkeit. Dank der vielen Touristen in Markgrafenheide verbreitete sich der Ruf bald über die gesamte Republik.

Mit der Wende wurde es erstmal sehr traurig. Die öffentliche Hand zog sich gänzlich zurück; die neuen Betreiber von Gaststätte und Pferdehof kämpften ums Überleben. Das einstige Publikum trank jetzt sein Bier am "Ballermann". Das Althaus, welches zu dieser Zeit schon 20 Jahre leer stand, symbolisierte den Verfall des Schnatermanns.

1997/98 übernahmen meine Frau und ich, zu einer Zeit, als schon die Abrissbirne über dem Althaus schwebte, die Gaststätte.

Ende August 1999 war mit der Zusage des Landesförderinstitutes die letzte Hürde gemeistert, welche dem Aufbau des Althauses noch im Wege stand.

Unseren Wunschtermin, Himmelfahrt 2000, verfehlten wir nur um vier Wochen. Im Juli, nach 8 Monaten Bauzeit, konnten wir das Haus unseren Gästen öffnen.

Es ist an dieser Stelle mein besonderes Anliegen, all denjenigen Dank zu sagen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang Herrn Obert von der Dresdner Bank AG in Rostock, Herrn Weber von der Deutschen Vermögensberatungs AG, das Architekturbüro Bengelsdorf, die Fa. Harm mit Dank für die wunderschönen Fenster, den Elektrobetrieb Krull, die Fa. K&E - Haustechnik, die Marlower Möbelwerke, die Gastronomieeinrichtung Richter, das team-baucenter Rostock und nicht zuletzt die eigenen Mitarbeiter, die sich weit über das normale Maß hinaus für das Gelingen diese Projektes eingesetzt haben.

Sehr glücklich wäre ich, wenn Sie als zufriedener Gast unsere Anlage verlassen und dieser Chronik noch so manch schönes Kapitel angehängt werden kann.

Steffen Zube     November 2000



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